Archiv für die Kategorie ‘Kultur’

Die brasilianische Flagge

Dienstag, 17. November 2009

Die Flagge Brasiliens zeigt eine gelbe Raute auf grünem Grunde.

Die Farben stehen ursprünglich nicht für das Grün der weiten Urwälder und die zahlreichen Bodenschätze (gelb) des Landes. Grün ist vielmehr die Farbe des Hauses Braganza, Gelb die der Habsburger.

Der blaue Bereich in der Raute stellt den Himmel über Rio de Janeiro am 15. November 1889 um 8:30 Uhr dar – der Ort und die Zeit der Proklamation der Republik. Per Gesetz muss die Abbildung so sein, als befände sich der Betrachter im All und schaue durch die Sternbilder auf Brasilien. Die 27 Sterne (seit 1992) stehen für die 26 Bundesstaaten und den Bundesdistrikt. Die Anzahl der Sterne steigerte sich von 21 (1889 – 1960) auf 22 (1960 – 1968) und auf 23 (1968 – 1992).

Das portugiesische Motto ordem e progresso (Ordnung und Fortschritt) des weißen Spruchbandes geht auf den Franzosen Auguste Comte zurück, dessen Philosophie (der Positivismus) die Gründerväter der Republik anhingen.

Zur Geschichte der brasilianischen Nationalflagge: Anlässlich der Unabhängigkeitserklärung von Portugal nahm Brasilien am 18. September 1822 eine grüne Flagge mit einer gelben Raute an, deren Ecken den Rand der Flagge berührten. Die Farben der Flagge gehen auf den brasilianischen Kaiser Pedro I. zurück, der Grün, die Farbe seines Hauses (Bragança), anlässlich seiner Eheschließung mit Maria Leopoldine von Österreich mit dem Gelb der Habsburger verband. In der Mitte der Flagge erschien ein gekrönter grüner Schild, der von grünen Kaffee- und Tabakzweigen umgeben war. Auf dem Schild lag eine weiße Scheibe mit dem karmesinroten Kreuz des Christusordens in der Mitte. Dezember 1822 wurde das Kaiserwappen in die Mitte der Flagge gesetzt.

1889 wurde der letzte brasilianische Kaiser (Pedro II.) gestürzt. Die Republik ersetzte das kaiserliche Wappen auf der Flagge durch eine blaue Himmelskugel mit den Sternen des südlichen Himmels, durchzogen von einem weißen Band, das die Aufschrift Ordem e progresso trägt. Die Sterne auf der Flagge stellen den Himmel über Rio de Janeiro am 15. November 1889 dar, den Ort und dem Zeitpunkt, an dem die Republik ausgerufen wurde. Dabei wurde auch die gelbe Raute auf der grünen Fläche auf die jetzige Größe verkleinert.

Die aktuelle Darstellung der Flagge wurde durch das Flaggengesetz Nr. 8421 am 11. Mai 1992 angenommen.

Architektur in Brasilien

Freitag, 27. März 2009

Im Amazonasbecken herrschen die primitiven Indianerhütten vor, in anderen Bundesstaaten, zum Beispiel Minas Gerais, sind dagegen prachtvolle und historische Städte, erbaut im Barock, und ebenso prachtvoll dekorierte Kirchen zu finden (Ouro Preto, Mariana, Congonhas). Kolonialarchitektur bestimmt in einigen Küstenstädten des Nordosten noch das Bild (Olinda). Die größten Architekten des Landes Oscar Niemeyer, der als Wegbereiter der brasilianischen Architektur gilt, sein früherer Dozent Lúcio Costa und Roberto Burle-Marx gestalteten gemeinsam den schönsten brasilianischen Wohnpark „Pampulha“ in Belo Horizonte. Niemeyer hat weltweit schon einige Gebäude entworfen. So stammen der New Yorker Hauptsitz der UN oder das aufsehenserregende Parteigebäude der Kommunistischen Partei Frankreichs aus seiner Feder. Der damalige Initiator war der spätere Präsident Juscelino Kubitschek, der in einer seiner ersten Amtshandlungen als mächtigster Mann im Staat das dreiköpfige Team erneut zusammenrief, um das Projekt Brasília zu beschließen.

Denn die Hauptstadt Brasília ist Höhepunkt brasilianischer Architektur, sie wurde erst in den 1960er Jahren errichtet und unterliegt einem genauen Plan. Nach einer Ausschreibung, bei der der Sieger mit Lúcio Costa schon vorher feststand, plante Costa den Aufbau der Stadt, Niemeyer war wie schon in Pampulha für die meisten Gebäude zuständig und Burle-Marx entwarf Plätze und Parks. Brasília ist heute berühmt für modernistische Gebäude.

Brasilianische Küche

Freitag, 27. März 2009

Aufgrund der Größe des Landes ist es schwierig, die brasilianische Küche zu definieren. Es ist gesichert, dass sie durch die portugiesische Kolonisation beeinflusst wurde. Als Nationalgericht gilt die Feijoada, ein Bohneneintopf aus schwarzen Bohnen mit allerlei Fleisch. Üblicherweise wird Feijoada mit Reis, Farofa (ein Maniokmehl) und Orangenscheiben serviert. Wegen des großen Abstands zwischen den Orten sind die Verpflegungsstationen an Fernstraßen wichtig. Hier wird zwischen kommerziell betriebenen Snackbars mit großem Angebot an Sandwiches und anderen einfachen Gerichten und kleinen, familiären Haltepunkten, die meist nur ein Gericht (Reis, Kartoffeln oder Bohnen mit einer Fleischsorte) bieten.

Brasilianische Literatur

Freitag, 20. März 2009

Das erste erhaltene Dokument, das als brasilianische Literatur bezeichnet werden kann, ist ein Brief von Pero Vaz de Caminha an Manuel I. von Portugal, in dem Brasilien im Jahre 1500 beschrieben wurde. In den nächsten beiden Jahrhunderten machten Beschreibungen von Reisenden über das „Portugiesische Amerika“ und seine Einwohner die brasilianische Literatur aus, so wurden zum Beispiel die Berichte des deutschen Soldaten Hans Staden berühmt. Außerdem wurde aus dieser Zeit religiöse Literatur gefunden. Neoklassizismus war in der Mitte des 18. Jahrhunderts weit verbreitet. In der Kolonialzeit war der für seine Goldminen bekannte Bundesstaat Minas Gerais Zentrum der Literatur. Ab etwa 1836 beeinflusste die Romantik die brasilianische Literatur. In dieser Zeit entstanden die ersten Standardwerke der Landesliteratur. Auf die Romantik folgte der Realismus, bei dem Joaquim Maria Machado de Assis als bester und populärster brasilianischer Schriftsteller hervorstach. Zwischen 1895 und 1922 ist kein einheitlicher Stil zu erkennen, doch einige Züge der Moderne gab es schon, so dass diese Periode „Vor-Moderne“ genannt wird. Seit der Semana de Arte Moderna (Woche der modernen Künste) 1922 wurde die Moderne der dominierende Stil.

Die berühmtesten Autoren dieser Zeit sind Mário de Andrade und Oswald de Andrade; ebenfalls internationale Bekanntheit erlangt hat Jorge Amado. Der brasilianische Erfolgsautor Paulo Coelho ist zur Zeit der weltweit meistgelesene Autor. 2004 erhielt Lygia Bojunga Nunes den bedeutenden Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis für Kinderliteratur.

Brasilien: mit 108 Lizenzen im Jahr 2004 Deutschlands zweitwichtigster Lizenzabnehmer auf dem amerikanischen Kontinent (nach den USA mit 175 Lizenzen). Fehlende Sprachkenntnisse und hohe Übersetzungskosten sind trotzdem noch Barrieren. Die Buchmesse São Paulo ist die vielleicht wichtigste Südamerikas.

Brasilianische Musik

Montag, 02. März 2009

Die brasilianische Musik ist von portugiesischen, afrikanischen und indigenen Musiktraditionen beeinflusst worden. Über die indigene Musik der vorkolonialen Zeit ist kaum etwas bekannt, die erste Beschreibung datiert aus dem Jahre 1568. Ein französischer Pastor beschrieb damals in einem Buch über seine Reise in das Land die Tänze und Gesänge der Ureinwohner. Die Musik veränderte sich unter dem Einfluss der europäischen Siedler und afrikanischen Sklaven.

1922 kam es durch die Semana de Arte Moderna (Woche der modernen Künste) zu einer musikalischen Revolution. Mit Heitor Villa-Lobos an der Spitze entstand eine Gruppe neuer Komponisten, die Elemente der brasilianischen Folklore in ihre moderneren Lieder einbauten. In den 1950er Jahren kam der Bossa Nova auf. Diese Musikrichtung gilt als die „brasilianische Variante des Jazz“: sie lehnt sich an nordamerikanischen Jazz an, bleibt aber geprägt von südamerikanischen und afrikanischen Rhythmen. Als bekanntester Vertreter und Mitbegründer des Bossa Nova gilt Antônio Carlos Jobim. Er verhalf dem Stil in den 1960ern zu großem internationalem Erfolg. Sein Wirken erreichte für Brasilien eine derart große Bedeutung, dass man u.a den internationalen Flughafen von Rio de Janeiro nach ihm benannte. Einer der größten Hits des Bossa Nova in den 60er Jahren schrieb und sang Sérgio Mendes mit Mas que nada. Dieser Titel wurde später unzählige Male kopiert. Heute wird der Bossa Nova vorwiegend von den älteren Brasilianern gehört. Der Tropicalismo (auch Tropicália) entstand Ende der 1960er Jahre zur Zeit der Militärdiktatur. Musikalisch handelt es sich um eine Mischung aus Bossa Nova, Folk und Rock, das wesentliche Element ist aber ein gemeinsames politisches Bewusstsein der Künstler. Ihre Abneigung gegen die Diktatur und die Einschränkung ihrer Rechte fand im Tropicalismo ihren Ausdruck. Die Texte sind daher im allgemeinen regimekritisch und nicht wenige Musiker mussten ins Exil gehen. Wichtige Vertreter sind Gilberto Gil und Chico Buarque, die es mit geschickter Chiffrierung ihrer Liedtexte sogar geschafft haben, die Zensur zu umgehen und ihre Lieder in Brasilien zu veröffentlichen. Gilberto Gil übt seit 1. Januar 2003 das Amt des Kulturministers von Brasilien aus. Seine Zielsetzung ist es, den Zugang zur Kultur zu demokratisieren. Er unternimmt Reisen in entlegene Gebieten des Landes, um den Menschen dort zu sagen, dass sie wichtige Träger der brasilianischen Kultur sind.

Entgegen ihrem Namen hat die Música Popular Brasileira, oft mit MPB abgekürzt, nur wenig mit dem gemeinsam, was man hierzulande unter Popmusik versteht. Die Bezeichnung umfasst eine Vielzahl an Stilrichtungen, die aber stets typische Elemente aus einzelnen Regionen des Landes aufgreifen. In Brasilien gilt MPB als Ausdruck des musikalischen und nationalen Selbstverständnisses. In diesem Sinne stellt MPB gewissermaßen eine Weiterentwicklung der brasilianischen Folklore dar.

Die wohl bekannteste brasilianische Musikform ist der Samba. Er entstand aus der Musik der afrikanischstämmigen Bevölkerungsteile und ist sehr rhythmuslastig. Populär wurde der Samba durch den jährlichen Karneval in Rio. Dort präsentieren sich die größten und renommiertesten Sambaschulen in riesigen Paraden im Wettstreit um den Titel der „besten Sambaschule Brasiliens“. Neben den Umzügen zur Karnevalszeit spielen die Bands manchmal auch auf den Straßen oder unterstützen mit ihrer Musik politische Demonstrationen und Streiks.

Es gibt eine unüberschaubare Zahl an regionaltypischen Musikstilen, die sich entsprechend der verschiedenen kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gebiete entwickelt haben. Música Nordestina ist ein Sammelbegriff für die Musik aus dem Nordosten, der eine besonders große musikalische Vielfalt besitzt. Hier sind Instrumente wie Akkordeon und Gitarre vorherrschend. Recife im Speziellen ist bekannt für den Frevo, der auch Einflüsse aus der Militärmusik besitzt. Forró wird von Trios mit Trommel, Triangel und Akkordeon gespielt. Ein traditioneller afro-brasilianischer Stil ist Maracatu, welcher mit großen Trommeln, Glocken und Rasseln gespielt wird

Eine besondere Rolle als musikalischer Impulsgeber spielt Salvador da Bahia. Seit 1949 nehmen hier Afoxé-Blocos an den Karnevalszügen teil, die ihre Wurzeln in der Musik des Candomblé haben und auch im Zusammenhang mit der Freiheitsbewegung der afrobrasilianischen Bevölkerung zu sehen sind. Seit den 1980er Jahren ist in Salvador der Samba-Reggae entstanden.

Besonders in den regionaltypischen Musikrichtungen kommen Instrumente afrikanischen Ursprungs zum Einsatz, so zum Beispiel die Berimbau, ein bogenförmiges Rhythmusinstrument mit einem hohlen Kürbis an einem Ende, oder die Xequerê, ein mit Muscheln bestücktes Schüttelinstrument.

In den letzten Jahren setzte sich vor allem bei den Jugendlichen die Musikrichtung Axé durch. Axé wird dem Samba, ausgenommen in der Karnevalszeit, mehr und mehr bevorzugt. Die Mischung aus Samba, Pagode und Pop ist enorm rhythmusbetont und gut tanzbar. Zum Teil thematisieren die Texte kritische Themen, wie Armut, soziale Ungerechtigkeit oder Korruption. Bekannte Gruppen des Axé sind beispielsweise Olodum, Daniela Mercury, Ivete Sangalo, Banda Eva, Araketu oder Terra Samba. In den offenen Cafés in Brasilien wird aber in erster Linie Pagode gespielt. Das Publikum ist meist um die 30 oder 40 Jahren alt. Bekannte Gruppen des Pagode sind Exaltasamba, Só Pra Contrariar und Art Popular.

Eine neue Entwicklung ist auch der Drum&Bossa Sound. Ein Mix aus dem Englischen Drum&Bass und dem Brasilianischen Bossa Nova.

Kunst in Brasilien

Montag, 02. März 2009

In Brasilien hat sich die Kunst aus der Religion entwickelt. Während der Kolonialzeit war die Sakralkunst dominierend. Unter anderem wurden zahlreiche Kirchen der verschiedenen Konfessionen künstlerisch gestaltet. Die Zusammenarbeit zwischen Holzschnitzern, Steinmetzen und Malern verlief so eng, dass auch die Farbwahl untereinander abgestimmt war und die Kirchen heute zu den schönsten Amerikas zählen. Üppig ausgestattet waren die Kirchen schon im 17. Jahrhundert, die größten und wertvollsten Kunstwerke entstanden aber erst im 18. Jahrhundert.

Im 20. Jahrhundert gewann der Impressionismus, der in Europa schon in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts auftrat, immer mehr an Bedeutung. Bedeutende Künstler dieser Zeit waren Manuel Santiago und José Pancetti, noch angesehener war aber Candido Portinaris. Er selbst gilt als größter Künstler Brasiliens des vergangenen Jahrhunderts. Da er mit hochgiftigen Farben malte, erkrankte er an Krebs und verstarb früh. Seine berühmten Kunstwerke hängen in Gebäuden wie der UN-Zentrale in New York. Kunstkritiker halten ihm hoch, dass in seinen Werken die Originalität Brasiliens am besten hervorgehoben wird.

In den 1940er und 1950er Jahren entwickelte sich der Soziale Realismus. Portinaris Kunstwerke mit sozialen Themen werden diesem Stil zugeordnet. Aus der abstrakten Kunst der 1960er bis 1980er Jahre stechen vor allem die Brüder Thomaz und Arcangelo Ianelli und die Grafikerin Fayga Ostrower hervor. Eine bedeutende Gruppe brasilianischer Künstler ist unter dem Namen Gruppe der 19 bekannt. Ihr gehören zum Beispiel die Surrealisten Mario Gruber und Otavio Araujo an. Marcelo Grassman, ebenfalls einer der 19, erstellte mittelalterliche Stiche. Das vierte Mitglied ist Lena Milliet, die zu den ersten brasilianischen Frauen zählt, die in der Kunst Anerkennung fanden. Daneben ist Carlos Araujo, der mit riesigen Ölbildern berühmt wurde, zu nennen. Mit dem selben Stil arbeitet Nora Beltran, die die politischen und sozialen Zustände in Brasilien karikiert. Gustavo Rosa malt zwar nicht surrealistisch, dennoch ironisch.

Heutzutage ist die Biennale in São Paulo das größte Kunstereignis in Brasilien. In diese Veranstaltung liegt der Schwerpunkt auf Gemälden von international renommierten Künstlern. Auch Rio de Janeiro ist ein Kunstzentrum. Kleinere, weniger bekannte Orte haben bei Experten aber ebenfalls ein hohes Ansehen, beispielsweise der zentralbrasilianische Ort Goiás. Recife ist für João Camara und Gilvan Samico bekannt. Brasiliens berühmtester und in den Augen vieler bester Holzschnitzer ist Maurino Araujo, weshalb auch seine Heimatstadt Minas Gerais unter Kunstliebhabern bekannt ist.

Die Kunst der Indianer ist sehr vergänglich. Für aufwändige Körperbemalungen benötigt man oft mehrere Tage, doch die Farben halten oftmals nicht viel länger. Auch der bunte Federschmuck als Kopfbedeckung ist nur selten in Museen zu sehen.

Die Medienlandschaft in Brasilien

Montag, 02. März 2009

Im Jahre 2002 wurde die Verfassung in der Hinsicht verändert, dass die Anteile ausländischer Unternehmen an den nationalen Medien nicht größer als 30 % sein dürfen.

In Brasilien gibt es etwa 380 Tageszeitungen. Die bekanntesten von ihnen sind Folha de São Paulo, O Estado de São Paulo, O Día und O Globo. Letztere gehört zur Globo-Gruppe, die die brasilianische Medienlandschaft beherrscht, und der vorgeworfen wird, einzelne Parteien oder Kandidaten zu favorisieren. Rede Globo ist auch einer der Marktführer, was die Produktion an Telenovelas angeht. Rund 80 % der Produktionen werden exportiert. Ihre jetzige Stellung wird aber von internationalen Konzernen und dem Internet bedroht.

Es gibt einen staatlichen Radiosender neben über 2.900 privaten Stationen. In ganz Brasilien gab es 1997 etwa 70 Millionen Radiogeräte. Darüber hinaus gibt es 19 staatliche und etwa 250 private Fernsehsender. Die Reichweite des Mediums Fernsehen ist in Brasilien relativ groß: 90,3 % der Haushalte hatten 2003 einen Fernseher.

Im Jahre 1999 gab es 200 Internetdienstanbieter. Fünf Jahre später (2004) galten gut 19,3 Millionen Brasilianer als Internet-User. Eine Zensur des Online-Angebots gibt es nicht.

Brasiliens Umwelt

Donnerstag, 19. Februar 2009

Der tropische Regenwald im Amazonasgebiet ist eines der größten unberührten Waldgebiete der Welt. Landnutzugsänderungen vor allem für plantagenartige Land- und Forstwirtschaft zerstören diese Unberührtheit, aber auch Infrastrukturprojekte wie neue Straßen (zum Beispiel die Transamazônica und die Perimetral Norte) tragen ihren Teil dazu bei. Dabei wirkt sich nicht nur der Flächenverbrauch durch das Bauobjekt selbst aus; durch Straßen erschlossene Gebiete des Regenwaldes werden so erschließbar für anschließende Umwandlungen und illegalen Holzeinschlag. Ein weiterer Faktor ist deshalb die Holznutzung. Das Holz aus diesen Wäldern wird von der lokalen Bevölkerung genutzt (z. B. als Feuerholz, oder bereits in Brasilien selbst zu höherwertigen Produkten wie Sperrholz, Zellstoff oder Baumaterial verarbeitet. Das Holz wird teilweise auch international gehandelt. In Brasilien gibt es rund 2.500 Unternehmen, die tropisches Hartholz kaufen und verkaufen. Die meisten von ihnen sind ausländische Großunternehmen. Zwar ist Mahagoni mittlerweile gesetzlich geschützt, der Handel aber geht illegal weiter.

Die Schäden entstanden früher auch im Zusammenhang mit den Goldgräbern Brasiliens, den so genannten Garimpeiros. Zum Auswaschen des Goldes verwendeten sie Quecksilber in verhältnismäßig hohen Mengen. Diese gelangten schließlich in die Böden bzw. das Grundwasser und führten zu einer Verseuchung des Amazonasgebiets.

2006 wurden 14.039 km² Regenwald vernichtet, 2005 waren es noch 18.793 km². Von August 2003 bis August 2004 wurden in Brasilien 26.130 km² Regenwald vernichtet (das entspricht fast der Fläche Brandenburgs). Den Rückgang des Verlustes von Primärwald führte die Regierung Brasiliens auf die Durchsetzung ihrer Umweltstandards zurück, Umweltschützer sehen die Stärke des Real und die fallenenden Sojapreise als Gründe. In den letzten fünf Monaten des Jahres 2007 gingen in Brasilien jedoch 3.235 km² verloren, alleine im Dezember 2007 sogar 948 km². In der Folge beriet im Januar 2008 ein Notfallkabinett der brasilianischen Regierung über Maßnahmen. Die Behörden zum Schutz des Regenwaldes haben unter Geld- und Personalmangel, sowie Korruption zu kämpfen. Dennoch konnte 2002 das weltweit größte Schutzgebiet eines tropischen Regenwalds im Norden Brasiliens gegründet werden.

Brasilien hat Mitte 2008 einen Fonds zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes ins Leben gerufen und erstmals einen Zusammenhang zwischen diesem Schutz und der globalen Erwärmung akzeptiert, so die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Regierung plant bis zum Jahr 2021 Investitionen von mehreren Millionen Euro in Alternativen zur Rodung durch die Amazonasbevölkerung zu investieren und die Erhaltung und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Laut einem brasilianischen Minister duldet das Land aber keine ausländische Beeinflussung in seine Amazonas-Politik.

Da Regenwaldboden nährstoffarm ist, ist er auf die Wiederverwertung der Mineralstoffe im Laub angewiesen. Bei solch feuchtem Klima zersetzen Mikroorganismen das Laub in recht kurzer Zeit. Wenn aber kein Wald und damit auch kein Laub mehr auf dem Boden liegen, trocknet er aus und es kommt zu Erosion. Sind die gerodeten Flächen nun größer, kann sich der Wald dort nicht regenerieren. Bäume binden Kohlendioxid, das den Treibhauseffekt auslöst. So sind an den Treibhausabgasausstößen des Landes Brandrodungen mit 75 % beteiligt, während die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht einmal ein Viertel ausmachen. Im Amazonasgebiet leben viele Tier- und Pflanzenarten. Diese Arten können ohne Regenwald nicht überleben.

Ein weiteres Umweltproblem ist der Bauxit- und Goldtagebau, der die Flüsse verschmutzt und die indigene Bevölkerung gefährdet. 2000 erlitt der Fluss Iguaçu eine Ölpest. Ein Jahr später sank vor der brasilianischen Küste die größte Ölplattform der Welt und bedrohte das dortige Ökosystem. In den Städten hat man mit Luftverschmutzung und Abwasserproblemen zu kämpfen.

In Brasilien wird dem Kraftstoff eine gewisse Menge Alkohol beigemischt. Neben umwelttechnischen Gründen (Reduzierung der Schadstoffemissionen) ist dafür hauptsächlich der Kostenfaktor verantwortlich: Ethanol ist bis zu zweimal billiger als Automobil- und bis zu viermal billiger als Flugbenzin. Der Anteil an Ethanol im Benzin ist gesetzlich geregelt und wurde 2006 von ehemals 25 % auf 20 % gesenkt. In Brasilien ist es möglich mit Autos zu fahren, die einen Ethanol-, Benzin- oder einen Flex-Fuel-Motor besitzen. Das dreimillionste Flex-Fuel-Auto wurde im Dezember 2005 verkauft und auch die ersten Flugzeuge fliegen mit Ethanol, was die Luftverschmutzung insgesamt reduziert. Das erste mit Alkohol betriebene Flugzeug der Welt, die EMB-202 Ipanema, wurde 2002 von Embraer in Brasilien gebaut. Brasilien ist der viertgrößte Auto- und mit 12000 Flugzeugen der zweitgrößte Flugzeug-Produzent der Welt.

Brasilien hat sich an diesen Umweltabkommen beteiligt: Ramsar-Konvention (1971), Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (1973), Biodiversitäts-Konvention (1992), Basler Konvention (1989), Rahmenübereinkommen über Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen, Kyoto-Protokoll (1997).

Religion

Dienstag, 17. Februar 2009

Nach dem Zensus im Jahres 2000 bekannten sich 73,6 Prozent der Brasilianer zur römisch-katholischen Kirche. Die Zahl der Katholiken ist rückläufig. 1960 betrug die Zahl der Katholiken noch 91 Prozent der Gesamtbevölkerung, bis 1985 nahm sie auf 83 Prozent ab und ist bis 2000 auf 73,6 Prozent gesunken. Teile des brasilianischen Katholizismus sind stark von afrobrasilianischen Traditionen beeinflusst.

15,4 Prozent der Bevölkerung sind protestantischen Glaubens. Der Protestantismus kam seit dem 19. Jahrhundert mit deutschen Einwanderern ins Land. Im 20. Jahrhundert haben aber vor allem nordamerikanische Missionskirchen große Erfolge erzielt. So gab es seit etwa 1960 eine starke Zunahme protestantischer Freikirchen. Heute gibt es 35.000 Freikirchen in Brasilien.

7,4 Prozent erklärten keiner Religion anzugehören.

1,3 Prozent sind Anhänger des Spiritismus, 0,3 Prozent bekannten sich zu afro-brasilianischen Religionen wie Candomblé und Umbanda.

Des weiteren gibt es etwa 1.100.000 Zeugen Jehovas, 600.000 Mormonen, 215.000 Buddhisten, meist Nachkommen japanischer Einwanderer, 150.000 Juden, 27.000 Muslime, meist Nachkommen syrisch-libanesischer Einwanderer und knapp 3.000 Hindus.